Traum­beruf mal anders

In der Betreuung von Kunden aus dem Bereich Landwirt­schaft setzt die OLB nicht nur auf die persön­liche Nähe durch Firmen­kun­den­be­treuer vor Ort, sondern insbe­sondere auf fachliche Expertise von Spezia­listen in einer zentralen Einheit. Jan Bergmann ist einer von ihnen: gelernter und studierter Landwirt im Dienste der Bank.

Tauscht häufig den Arbeitsanzug für die Landwirtschaft mit dem Arbeitsanzug für das Büro: Jan Bergmann ist über ein studienbegleitendes Praktikum zur OLB gekommen – und als Fachberater bei der Bank geblieben.

Aus Liebe zum Land

Astronaut, Polizist, Fußball­profi, Feuer­wehrmann oder Pilot? Nein, was sich Jungen schon im Grund­schulalter an Traum­be­rufen ausmalen, ist von Anfang an nichts für Jan Bergmann. Geboren 1980 in Leer, wächst er in der Gemeinde Großefehn, Landkreis Aurich, im Herzen Ostfries­lands auf. Die Gegend ist geprägt vom alten Moorgebiet, von kleinen Kanälen, Windmühlen und vielen Tausend Hektar landwirt­schaft­licher Nutzfläche. Vermutlich ist es also so etwas wie frühkind­liche Prägung, dass Jan Bergmann nicht zum Mond fliegen, nicht Ganoven jagen, keine Tore schießen, Brände löschen oder Flugzeuge steuern will wie andere Jungs in seinem Alter. Ihm ist bereits in jungen Jahren klar: Landwirt, das ist es. Raus aufs Land, auf die Felder, zu den Tieren, in die Stallungen. „Schon als in der Schule die Alben und Freund­schafts­bücher herum­gingen, habe ich bei Berufs­wunsch ‚Land­wirt‘ einge­tragen“, erinnert sich Jan Bergmann. Heute ist er Fachbe­rater Landwirt­schaft bei der OLB. Und auch das ergab sich nicht einfach nur so.

Auf dem Hof von Familie Andreeßen – Frerich, Grete und Heiko – in Großefehn, mit dem Fahrrad fünf Kilometer von seinem Zuhause entfernt, jobbt Jan Bergmann bereits zu Schul­zeiten nebenbei. Besonders die Woche­n­enden sind für die Hofarbeit reser­viert. Und wenn in den Sommer­ferien die Klassen­­ka­me­raden zu den Kanaren fliegen, manche sogar noch weiter, und andere wenigstens auf die Ostfrie­si­schen Inseln fahren, freut sich Jan Bergmann, dass er nun sechs Wochen am Stück die Arbeits­kla­motten und Gummis­tiefel anziehen kann. Die Mitschüler im großen Gymnasium der Stadt Aurich können mit der Liebe fürs Land zwar nicht immer allzu viel anfangen – „Die meisten haben gedacht, ich bin bekloppt“, sagt Jan Bergmann –, aber auf ihn üben das Melken, nicht zuletzt die Melktechnik, und die mächtigen Schlepper große Anzie­hungs­kraft aus.

Schon als in der Schule die Alben und Freund­schafts­­bücher herum­gingen, habe ich bei Berufs­wunsch ‚Land­wirt‘ einge­tragen.

Jan Bergmann, Fachbe­rater Landwirt­schaft / Erneu­erbare Energien

150 Kühe, breites Aufga­benfeld

Etwa 150 Kühe zählt der familiäre Milch­vieh­be­trieb der Andreeßens. Rinder­auf­zucht, Getreide- und Acker­fut­terbau werden ebenfalls betrieben. Und Landwirt­schafts­meister Frerich Andreeßen ist aktiver Ausbilder. Darum kann Jan Bergmann nach seinem Facha­bitur hier 1999 seine Ausbildung als Landwirt­schafts­ge­selle starten. Das beliebte Melken und Schlep­per­fahren gehört ebenso zu seinen Aufgaben wie Ställe auszu­misten, Stroh zu pressen oder die Tiere zu füttern.

Gut für den Lebenslauf

Ab dem Jahr 2002 schließt Jan Bergmann der Ausbildung auf dem Hof noch ein Studium der Landwirt­schaft an der Fachhoch­schule Osnabrück an. Die Land- und Ernäh­rungs­wirt­schaft einschließlich der vor- und nachge­la­gerten Industrie sowie die Agrar­ver­waltung bieten eine Vielzahl attrak­tiver Aufgaben und Positionen, hört er dabei. Auch Versi­che­rungen und Banken seien eines Tages poten­zielle Arbeit­geber. Also ist seine Entscheidung gefallen, wo er das vorge­gebene mehrwö­chige Praktikum im vor- oder nachge­la­gerten Bereich während des Vertie­fungs­stu­diums verbringen will: „Mensch, prima“, denkt sich Jan Bergmann, „eine Bank macht sich sowieso gut im Lebenslauf, auch wenn es nur für ein Praktikum ist.“ Er bewirbt sich bei der OLB – und bekommt den Zuschlag.

Jan Bergmann gefallen die Tätig­keiten in der Bank, der Bank gefallen seine Kompetenz und Boden­stän­digkeit. Zufäl­li­ger­weise während des Praktikums im Herbst 2005 schreibt die OLB eine Stelle in der Zentrale im Bereich Landwirt­schaft / Erneu­erbare Energien aus. Dieses Mal bewirbt Jan Bergmann sich nicht, weil es den Lebenslauf anrei­chert, sondern weil der Job gut zu ihm passt: Zum 1. Februar 2006 wird er Fachbe­rater Landwirt­schaft in der OLB. Heute hat die Regio­nalbank drei Fachbe­rater in ihren Reihen: Jan Bergmann ist spezia­li­siert auf Milch­vieh­haltung, Bullenmast und Ackerbau, seine Kollegen sind Fachleute für Schwei­nemast, Ferkel und Geflügel bezie­hungs­weise für den Bereich der Erneu­er­baren Energien.

Als Pionier in der strate­gi­schen Agrar­be­ratung hat die OLB schon vor Jahren die Landwirt­schaft als wichtiges Feld mit Wachs­tumspo­tenzial identi­fi­ziert. Neben anderen Zweigen wie dem Tourismus und der maritimen Wirtschaft zählt die Agrar- und Ernäh­rungs­wirt­schaft zu den besonders starken Branchen im Nordwesten. Sie ist Wirtschafts­faktor, Arbeit- und Impuls­geber und bildet mit ihrer eng verfloch­tenen Wertschöp­fungs­kette von der Primär­pro­duktion über die Verar­beitung bis zur Vermarktung durch Handel und Gastro­nomie auch ein bedeu­tendes Kompe­tenz­zentrum. „In diesem Sinne ist die Landwirt­schaft eine der dominanten Branchen in unserer Region“, sagt Hartmut Hage, Gruppen­leiter Landwirt­schaft / Erneu­erbare Energien, „jeder fünfte in Deutschland produ­zierte Liter Milch, jedes dritte Schwein, jedes dritte Ei und jedes zweite Huhn stammt aus Weser-Ems.“

Die technisch und vor allem auch betriebs­wirt­schaftlich zunehmend komplexe Bewirt­schaftung der Höfe führt zu einem immer höheren Beratungs­bedarf seitens der Landwirte. Im Regelfall existiert heutzutage die gemüt­liche Bauern­ho­fi­dylle von früher nicht mehr mit einer Handvoll Kühen, freilau­fenden Hühnern und Katzen, die durch die Scheune tollen, ebenso wenig behält die alte Gleichung Bestand, dass es den Bankkredit gegen die Grund­schuld gibt. „Die Betriebe sind hoch spezia­li­siert, auch hoch techni­siert, und uns als kredit­ge­bender Bank ist vor allem die Wirtschaft­lichkeit wichtig“, skizziert Hartmut Hage die zeitge­mäßen Gegeben­heiten. Neben dem Beratungs­bedarf ist schon in den vergan­genen Jahren auch der Kredit­bedarf angestiegen: War ein guter Traktor einst für 50.000 ­D-Mark zu haben, schlagen die modernen Maschinen heute schon mal mit 100.000 Euro Neuwert zu Buche. Umso mehr kommt es auf die Expertise von Jan Bergmann und seinen Kollegen an.

GUT BERATEN

OLB-Fachbe­ratung

Ernährung / Landwirt­schaft / Erneu­erbare Energien

Es ist ein wesentliches Merkmal des Geschäftsmodells der OLB, die Nähe zu den Kunden dazu zu nutzen, die Kunden auch lokal zu betreuen. Dies gilt unter anderem für die landwirtschaftlichen Betriebe.

Einige Betreuungsfunktionen allerdings sind zentral angesiedelt: Firmenkundenbetreuer aus dem Bereich Ernährung / Landwirtschaft / Erneuerbare Energien mit jahrelanger Erfahrung in diesem Segment. Den Kunden bietet dieses Modell somit Nähe und Branchenexpertise.

Die fachliche Ausrichtung und die Betreuung von häufig komplexen landwirt­schaft­lichen Betrieben und Unter­nehmen der Ernäh­rungs­in­dustrie ermög­lichen zugleich eine gute Plattform für den Wissen­stransfer in allen Teilbe­reichen der Ernährung und Landwirt­schaft.

Kompetenz auf Augenhöhe

Die Fachbe­rater verfügen über detail­lierte Branchen­ein­blicke, alle sind wegen ihrer privaten und beruf­lichen Herkunft und Ausbildung tief in der Landwirt­schaft verwurzelt: Von der Lehre in einem Milch­vieh­be­trieb, wie bei Jan Bergmann, über den famili­en­ei­genen Geflü­gelhof bis hin zum Betrieb einer Biogas­anlage auf dem privaten Grund­stück reicht das Spektrum ihrer persön­lichen Erfah­rungen. Eine ideale Grundlage, denn die ihrer­seits heute hervor­ragend ausge­bil­deten Landwirte wollen keinen Gesprächs­partner mit goldenen Manschet­ten­knöpfen – sie erwarten jemanden, der sein Fach beherrscht und mit dem sie auf Augenhöhe sprechen können. Jan Bergmann und Kollegen erfüllen diese Ansprüche. Sie vermitteln bei Bedarf auch intern den Kollegen aus der Kunden­be­treuung und den Kreditre­fe­renten die landwirt­schaft­lichen Grund­lagen. Prakti­scher Bestandteil ist zum Beispiel ein Besuch auf einem Lehr- und Forschungsgut in Nieder­sachsen, um „Produktion live im Stall“ zu verfolgen und so einen hautnahen Eindruck von moderner Landwirt­schaft zu erhalten.

Etwa 100 Mal im Jahr, rechnet Jan Bergmann hoch, fährt er gemeinsam mit einem Firmen­kun­den­be­treuer zu einem landwirt­schaft­lichen Betrieb vor Ort; für seine Fachbe­ra­ter­kol­legen gilt eine ähnlich hohe Frequenz. Der Betreuer hat den engen, persön­lichen Kontakt zum Kunden, kennt die Bilanz und die Vermö­gens­si­tuation. Der Fachbe­rater Landwirt­schaft hat den Blick für die Details: Wie ist der Hof struk­tu­riert? Wie führt der Landwirt seinen Betrieb als Unter­nehmer? Wie ist es um die Renta­bi­lität bestellt? Die Schwer­punk­t­auf­gaben des Fachbe­raters sind die Überprüfung und Optimierung der Finan­zie­rungs­vor­haben von Kunden und Neukunden sowie deren Beratung. „Am Ende schreiben wir eine fundierte fachliche Analyse, die Grundlage für die Kredit­vergabe ist“, sagt Jan Bergmann.

Strategie, Jahres­ab­schlüsse, Geldrück­be­richte, Sicher­heiten, Verträge, Verbind­lich­keiten, Auswer­tungen, Umsatz-, Kosten- und Ertrags­pla­nungen – alles kommt auf den Prüfstand. Die Anfor­de­rungen sind vielschichtig: Das Management der Betriebs­leitung ist stimmig und die Betriebss­tra­tegie wird konse­quent umgesetzt, der Betriebs­leiter kennt seine Zahlen, kann ein nachvoll­zieh­bares Inves­ti­ti­ons­konzept vorlegen und mittels Liqui­di­täts­planung unter­mauern, die Buchführung ist auf aktuellem Stand und Betriebs­zwei­g­aus­wer­tungen liegen vor. Unter dem Strich muss der landwirt­schaft­liche Betrieb trans­parent arbeiten und der bisherige wirtschaft­liche Erfolg als Basis für die Zukunft fungieren – denn, alte Faust­regel, wenn das Management gut arbeitet, stimmen üblicher­weise auch die Bücher.

Bei dem Famili­en­be­trieb in Großefehn ist dies der Fall. Der Zukunfts­wandel gelingt nicht nur bei der techni­schen Ausstattung, sondern auch mit langfris­tigem Blick auf die Betriebs­führung: Junior und Hofnach­folger Heiko Andreeßen, der früher als kleiner Junge schon Spaß daran hatte, auf der Schlepper-Sitzbank neben dem damaligen Auszu­bil­denden Jan Bergmann Platz zu nehmen, absol­viert die Meister­schule. Und auch der OLB-Fachbe­rater hängt nach wie vor an seinen Wurzeln: Wenn es sich verein­baren lässt, hilft Jan Bergmann in Spitzen­zeiten gern mal auf dem Andreeßen-Hof aus. So als echter Landwirt. Ist ja schließlich sein Traum­beruf.

Kurz nachge­fragt ...

Hartmut Hage, Gruppenleiter Ernährung / Landwirtschaft / Erneuerbare Energien

Was sind die Stärken der Landwirtschaft im Nordwesten? Die Vernetzung von Landwirtschaft und Ernährungsbranche ist eine große Stärke. Mit der gesamten Wertschöpfungskette ist dies die herausragende Branche in unserer Region, die zudem organisiert über Verbände, Universitäten und weitere fachliche Einrichtungen mit hohem Know-how-Transfer arbeitet.

Wir wird sich die Branche in den nächsten Jahren entwickeln? Bevölkerungswachstum oder Wirtschaftswachstum sind gute Indikatoren der zu erwartenden Entwicklung. Andererseits wirken Faktoren wie ein verändertes Nachfrageverhalten oder politische Entscheidungen auf die tägliche Arbeit der Branche ein und führen zu einem Strukturwandel, den wir genau beobachten. Generell wird in allen Subbranchen gute Qualität produziert und die weltweit steigende Nachfrage bietet hohe Exportchancen, wenn die Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Warum ist die OLB eine Bank für die Landwirte in der Region? Die Landwirtschaft bildet einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor in der Region – und für uns einen wichtigen Bereich im Firmenkundengeschäft. Genau deshalb haben wir das Konzept der unterstützenden Fachberatung eingeführt und kontinuierlich verfeinert. Darüber hinaus sind wir in diversen branchennahen Organisationen aktiv und damit hautnah am Geschehen.

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